"Wir sind hier in einer Clownsschule!" - die alte Dame rechts von uns muss lachen. Es folgt eine ausgedehnte Vorstellungsrunde und damit fängt der Tag für uns an. Sowie auch die nächsten zwei Tage, denn einige der TeilnehmerInnen werden schon morgen nicht mehr wissen, wer wir sind und was wir hier machen. Sie sind dement. SeniorInnen, die an Demenz erkrankt sind, leben ebenso wie der Clown im Hier und Jetzt. Es geht darum, gemeinsam mit dem zu spielen, was an Gefühlen und Eindrücken im jeweiligen Moment da ist oder durch Objekte, Musik oder Kostüme hervorgerufen wird.  Auch wenn die Kognition bei Menschen mit Demenz nicht mehr richtig funktioniert, ist die Sprache der Gefühle doch meist unbeeinträchtigt. Über Gefühle und sinnliche Eindrücke können wir miteinander in Kontakt kommen, spielen und entdecken. Soweit jede/r Teilnehmer/in kann, wird der Körper eingesetzt, um Bilder und Gefühle auszudrücken. 


Drei Tage lang assoziieren wir,  strecken uns gegenseitig die Zunge raus, gehen auf Sinnesreisen und formen, mit der kleinen, roten Maske auf der Nase,  aus einer Plastiktüte alle möglichen Gegenstände. Nur einer, der formt immer wieder das gleiche. Mit beneidenswert großer Begeisterung drapiert er in jeder Runde eine Schleife, die er sich mit großer Geste um den Hals legt.

Wir verwandeln uns und werden zu Löwen, Polizisten und anmutigen Königen, während wir mit ausgestrecktem Po und aufgerichteter Brust durch den Raum gehen und uns die Hände zur Begrüßung reichen.  Alles fällt leicht und geht wie von selbst. 

Es geht hier nicht um Logik und Verstehen, sondern um das spielerische Finden von komischen, absurden und sinnfreien Räumen, in denen ausprobiert und gelacht werden darf.


Drei Tage später treten wir gemeinsam auf, bei der Tanzveranstaltung der Alzheimergesellschaft Hannover.  “Und wer küsst mich?” ruft ein alter Herr,  als wir uns vor dem Publikum in kleinen Geschichten leidenschaftliche und schüchternde Küsse zuwerfen. Auch er bekommt einen Kuss zugeworfen, obwohl er es wahrscheinlich gleich wieder vergessen hat. Eine Welt der kurzen Freuden und Erlebnisse, die in machen Dingen gar nicht so sehr von der unseren abweicht.